Porsche Produktion im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen

Von der maroden Planwirtschaft über den „Aufbau Ost“ zum europäischen Wachstumsmotor?

Die Erfahrung der Weltwirtschaftskrise 1929/30 mit ihren sozialen Verelendungserscheinungen vor Augen, sollte in der sozialistischen DDR ab 1949 das Land gegen derartige Krisen gesichert und für Vollbeschäftigung gesorgt werden. Deshalb führte die DDR die am Bedarf orientierte Planwirtschaft ein. Private Betriebe wurden verstaatlicht und ein gigantischer Bürokratieapparat installiert. Infolge von Rechenfehlern, aber auch aufgrund der Schwierigkeit die Konsumnachfrage vorauszusagen, kam es gleichzeitig zu Versorgungsmängeln und zur Überschussproduktion. Ab den 1980er Jahren konnte die soziale Grundsicherung nur noch durch die Aufnahme von Krediten sowie durch fehlende Modernisierung und Instandhaltung von Maschinen finanziert werden. Betrug das Wirtschaftswachstum der DDR 1979 noch knapp 5 Prozent, lag es 1989 gerade einmal bei 2 Prozent. Die DDR erreichte nicht einmal mehr 60 Prozent der Arbeitsproduktivität der Bundesrepublik. Nach außen hin war der ostdeutsche Staat zahlungsunfähig und innenpolitisch unregierbar.

1990 legte die Wirtschafts- und Währungsunion den Grundstein zur Deutschen Einheit. Obwohl viele Wirtschaftsexperten und der damalige Chef der Bundesbank sich dagegen aussprachen, versprach Bundeskanzler Kohl für laufende Einkommen und Rentenzahlungen sowie für einen Teil privater Sparguthaben einen Wechselkurs von 1:1 zwischen DDR und D-Mark. Der Solidaritätszuschlag wurde eingeführt, welcher der Sanierung der DDR-Wirtschaft dienen sollte. Bundeskanzler Kohl versprach „blühende Landschaften“ im Osten des Landes.

Schon bald zeigte sich, dass Wirtschaftssystem und Arbeitsmarkt in Ost und West sehr unterschiedlich waren und die plötzliche Angleichung der Strukturen und Institutionen vor allem den Osten des Landes vor schwere Probleme stellte. Der Westen Deutschlands zeichnete sich durch die soziale Marktwirtschaft mit einer hohen Wettbewerbs- und Gewinnorientierung aus, im Osten dagegen war die ehemalige Planwirtschaft mit der charakteristischen Vollbeschäftigung und großen, verstaatlichten Betrieben nicht auf markwirtschaftliche Strukturen und Prinzipien vorbereitet. Die Hoffnung der Betriebe im Osten, dass die Absatzmärkte in den ehemaligen sozialistischen Staaten Osteuropas erhalten blieben, erfüllte sich nicht. Die sogenannte Treuhandanstalt (eine staatliche Behörde) organisierte die Privatisierung der Unternehmen. Dabei mussten einige Betriebe ihre Arbeit gänzlich einstellen. Nach Jahrzehnten des Rechts, ja der Pflicht auf Arbeit sahen sich die Menschen in den neuen Bundesländern zum ersten Mal mit dem Problem der Arbeitslosigkeit konfrontiert. Die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit ostdeutscher Betriebe war erheblich niedriger, was die Lage im Zusammenhang mit der plötzlichen Konkurrenz zu westdeutschen und anderen Unternehmen auf dem Weltmarkt nur verschärfte.

Doch strukturelle Hilfen und Investitionen in die Infrastruktur sollten Abhilfe schaffen. Der Aufbau Ost sorgte ab 1991 für einen rasanten Aufholprozess, vor allem die Baubranche boomte, da in Wohnungsbau und Infrastruktur investiert wurde. Existenzgründungen wurden finanziell unterstützt und die Industrie konnte in einigen Bereichen dank staatlicher Förderung, v.a. von Forschung und Entwicklung, wachsen. So war das Wirtschaftswachstum im Osten in den 90er Jahren stets höher als im Westen des Landes.

Im europäischen Vergleich steht der Exportweltmeister Deutschland heute gut da. Es gibt nach wie vor große Unterschiede zwischen Ost und West, die Produktivität im Westen ist höher, die Arbeitslosenquote stetig niedriger. Doch trotz Abwanderung konnten sich in den neuen Bundesländern auch zahlreiche neue Unternehmen ansiedeln, die Arbeitsplätze schaffen. Außerdem haben einige deutsche Unternehmen Filialen und Produktionsstätten eröffnet, wie zum Beispiel die Industrieriesen Porsche und BMW oder auch Logistikunternehmen wie DHL. Ein herausragendes Beispiel für positive Entwicklungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in den neuen Bundesländern ist die Wirtschaftsregion Halle/Leipzig, in der auch viele sogenannte Zukunftsindustrien angesiedelt sind.

Vorschläge für Recherchemöglichkeiten:

  • Frag deine Eltern, Verwandten, Nachbarn in welchen Betrieben sie bis 1989 und in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung gearbeitet haben. Wer ist in seiner Heimat geblieben und wer musste arbeitsbedingt umziehen?
  • Suche in deiner Stadt nach früheren Betriebsgebäuden: Wo befinden/befanden sie sich? Was steht heute an dieser Stelle oder wie werden sie heute genutzt?

Bild: DPA