Supporters and activists of the anti-nuclear power movement line up for a...

Von der zerstörten Umwelt zum Vorreiter der Energiewende?

Während in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1970/80er Jahren zunehmend Umweltfragen Berücksichtigung fanden (1974 Gründung des Umweltbundesamtes, 1984 Beschluss zur Einführung eines Abgaskatalysators für Autos, 1985 Einführung der Umweltverträglichkeitsprüfung) wurden in der DDR ökologische Fragen den Zielen der Planwirtschaft komplett untergeordnet. Das hatte massive Umweltprobleme zur Folge. In beiden Ländern entstanden Umweltbewegungen, die in der DDR aufgrund der Kritik an den Zuständen rasch in Konflikt mit der Diktatur gerieten und deshalb deutlich schwächer blieben.

Es war eine Herausforderung, den Systemwechsel der Jahre 1989/90 für eine rasche Modernisierung zu nutzen: Bereits 1990 wurden noch vor der Wiedervereinigung die ersten Nationalparks im Osten Deutschlands gegründet, und auch der Abschied von der Braunkohle war ein wichtiger Schritt. Es gibt zahlreiche Beispiele, die illustrieren, wie die intensiv genutzte, in Mitleidenschaft gezogene Natur auf dem Gebiet der ehemaligen DDR von Umwelt-Initiativen/Verbänden in Schutz genommen und wiederbelebt wurde.

Im ehemaligen „Todesstreifen“ entlang des Mauerverlaufs entstand in fast 40 Jahren europäischer Teilung ein Biotop, in dem sich die Flora und Fauna ungestört entwickeln konnte. Seit 1989 setzt sich der Bund dafür ein, dass dieses „Grüne Band“ als Naturschutzgebiet bewahrt wird und dazu beitragen kann, dass das einst durch den Eisernen Vorhang geteilte Europa im wahrsten Sinne des Wortes zusammenwachsen kann. Es gibt zahlreiche Partner-Projekte in den anderen betroffenen Ländern Europas, und so zieht sich das Grüne Band heute als lebendiges Denkmal vom Norden Finnlands bis ans Schwarze Meer in Bulgarien: europäische Zusammenarbeit zum Wohl der gemeinsamen Umwelt statt Teilung und Konfrontation.

Aber auch ehemalige Braunkohlegruben und Truppenübungsplätze der Sowjetarmee konnten mittlerweile in tatsächlich „Blühende Landschaften und Rückzugsorte für seltene, bedrohte Tier- und Pflanzenarten verwandelt werden: zum Beispiel das von der Heinz-Sielmann Stiftung betreute Naturschutzgebiet Wanninchen im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald oder die Lieberoser Heide, ein ehemaliger Schießplatz der GSSD (Gruppe der Sowjetischen Streitmächte in Deutschland), den heute die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg pflegt.

Heute weiß man, dass Umwelt- und Klimaprobleme nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Deutschland hat mit seiner Politik der Energiewende ein Zeichen für Europa gesetzt und kann auch anderen Ländern als Modell einer sowohl nachhaltigen als auch wettbewerbsfähigen Umwelt- und Energiepolitik dienen. Dabei geht es neben der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien um die Senkung der Treibhausgasemissionen und das Einsparen von Energie bzw. die Steigerung der Energieeffizienz. Nachdem die rot-grüne Bundesregierung im Jahre 2000 den Atomausstieg beschlossen hatte, entstand nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ein parteienübergreifender Konsens, bis 2022 von der Atomenergie unabhängig zu werden.

Mögliche Fragen für deine Recherche:

  • Wann entstanden bei dir vor Ort/in der Gegend die ersten Umweltgruppen und welche Ziele hatten sie?
  • Was hat sich in den letzten 25 Jahren bei dir vor Ort/in der Gegend zugunsten des Schutzes der Umwelt geändert? Frag deine Eltern, Verwandten, Nachbarn!
  • Was muss noch besser werden? Wo gibt es noch Nachholbedarf?